Finale Ligure Ostern 2013

Nach langer, langer Pause (etwa 1 Jahr), haben wir überlegt mal wieder nach Finale Ligure zu fahren. Weil: Wetter in Deutschland = Mist, Wetter in Italien = toll. Leider war diese Gleichung irgendwo ein Klitzekleiner Fehler drin – der Wetterbericht für Deutschland sah aus wie erwartet – nur der für Italien war irgendwie zu ähnlich. Im Vorfeld hat das zu reichlich überlegungen geführt – und dazu, das 2/3, 4/6 oder 66,67% der Mannschaft zu Hause geblieben sind. Der Rest – meine Frau und ich – sind gefahren. Auch weil wir ein festes Dach (=Wohnmobil) zur Verfügung hatten und nicht hätten im Zelt schlafen müssen.

Nach ein wenig viel langem Packen sind wir dann am Gründonnerstag am Abend losgezuckelt und haben den Bug mal gen Süden ausgerichtet. Am frühen Karfreitag mitten in der Nacht sind wir angekommen, nach hinten gekrochen und haben erstmal ein bisschen die Äuglein geschlossen. Der morgendliche Blick aus dem Fenster hat uns darüber informiert, dass wir nichts verpassen, wenn wir einfach erstmal ausschlafen – also selbiges getan. Dann erstmal Freunde besucht die auch da waren (und schon ein wenig lädiert – darum auf dem Sofa und nicht auf dem Rad) und erstmal ein klitzekleines Vormittagsbierchen getrunken. Anschliessend noch ne kleine Runde durch den Schlamm geradelt und dann auf dem Campingplatz festgemacht. Pizza, Bier, Bett, fertig.

Samstag morgen hat sich dann das Aufwachen nicht so richtig gelohnt. Es hat gepisst. Also halt so richtig. Und kalt wars auch ein wenig. Also nach dem Frühstück grad wieder ins Bett. Ein bisschen lesen, ein bisschen schlafen… meine Frau war ganz überrascht, wie viel ich schlafen kann. Da gab es wohl doch leichte Defizite aus den letzten Monaten. Abends um 6 hats dann immerhin mal wieder aufgehört zu regnen. Also noch mal schnell einkaufen und Eis essen gehen…

Am Ostersonntag sah die Aussicht schon viel besser aus:

Also schnell den Tisch ausgepackt:

Und schon bald war das Osterfrühstück fertig:

Anschliessend dann mal gemütlich losgeradelt, eine Tour einer Tourenempfehlung nachgefahren. Interessant, in dem Buch fährt man die interessanten Trails hoch, um hinterher Schotterwege runter zu fahren. Aber erstmal hoch, kurz vor dem Gipfel:

Oben ein wenig die Aussicht genossen:

Und wieder runter gefahren. Natürlich nicht den vorgeschlagenen Weg sondern den der von oben viel besser aussah. Leider gings aber nicht weit so weiter…

Aber wenigstens nicht ganz runter, so war zumindest die Aussicht nach wie vor schön:

   

Danach einen kleinen Abstecher über einen bekannt schönen Trail gemacht:

         

Um anschliessend noch einen mir bis dato unbekannten Downhill zum Meer auszuprobieren – auch da war der Spaß eher begrenzt. Nunja, wenigstens wars unten schöne warm:

Zurück am Campingplatz war die Aussicht immer noch schön:

Also nochmal runtergucken vorm ins Bett gehen. Unsere Fahrräder hatten wir zwischenzeitlich mit einer Custom-Multicolor-Schlammschicht überzogen (ich glaub “Spray-On Mud” aus der Dose gibts bisher nur einfarbig – Multicolor muss man selber mischen):

Am Montag hats zwar nicht geregnet, es war aber kalt und bewölkt. Also noch eine kleine, feine, bekannte Runde geradelt und ab nach Hause.

Auf dem Heimweg hat dann der kleinere Teil der verbliebenen Reisegruppe dafür plädiert doch grad noch mal durch Mailand zu fahren. Gesagt getan, man ist ja neugierig. Anfangs sind wir durch ein Viertel gefahren dass uns nicht so recht beeindrucken wollte, sicherlich, es hatte seinen Charme, aber es war doch eher Mailand Kreuzberg . Dann sind wir auf eine Straßenbahn gestoßen und haben uns gedacht “die fährt sicher in die Innenstadt – da fahren wir einfach mal hinterher”. Ein bisschen die Stadt angeschaut und ein bisschen weniger auf die Schilder geachtet (man versteht sie ja ehh kaum), und plötzlich kam uns irgendwas seltsam vor. Kaum noch andere Autos (aber die Straßenbahn vor uns war noch da).

“Doch da kommt ein Auto”

“Ist ein Taxi”

“Da”

“Wieder ein Taxi”

“Aber da”

“Abschleppwagen mit nem Taxi drauf”

“Und da?”

“Das ist ein Franzose”

Zumindest waren wir nicht die einzigen Ausländer… Also haben wir versucht uns als Straßenbahn auszugeben. Groß und Gelb isser ja unser Bus. Und rausgucken kann man auch. Also noch ein Stück weiter auf den Gleisen. Irgendwann öffnet sich vor uns ein beeindruckender Platz mit ner hübschen Kirche und fast hätten wir es geschafft auch da noch drauf zu fahren (da hätten wir uns als Polizeiauto ausgeben müssen – das hätte weit weniger gepasst als die Straßenbahn). Stattdessen haben wir ganz in der Nähe einen nur halbillegalen Parkplatz gefunden und sind mal schnell auf den Platz spaziert. Die hübsche Kirche war der Mailänder Dom:

   

Mit 106 Metern Höhe aber im Vergleich zum Ulmer Münster (161,5 m hoch) doch eher unbedeutend… Eigentlich hatten wir ja auch eher Gehwege aus Marmor gesucht (meine Frau hatte davon gehört). Aber das Ding war schon auch sehenswert. (Falls ihr auch so Banausen seid wie ich und nichts vom Mailänder Dom wisst – das ist eines der bedeutensten Bauwerke Europas – sagt Wikipedia).

Nach ein paar Irrungen und Wirrungen durch Mailand haben wir dann auch die Autobahn gen Heimat wieder gefunden gehabt und trörö…

Da ich gerade von kompetenter Stelle darauf hingewiesen wurde dass das missverständlicherweise falsch verstanden werden könnte: Wir hatten auch in Finale eine schöne Zeit – auch wenn die beschriebenen Umstände vielleicht nicht so klingen – aber immerhin ein Tag Sonne, Pizza, italienisches Leben… Das ist schön und tut gut am Endes des kalten schweizer Winters…

Phoenix

Und jetzt sind wir in Phoenix. Das ist in Arizona und dort ist es warm. Von einer Cousine der Verwandten in Vancouver (also auch eine ganz entfernte Verwandte) hatten wir angeboten bekommen, ein paar Tage in deren „Winterhaus“ bleiben zu können. Einige Menschen aus nördlicheren Regionen haben nämlich ein zweites Haus in einer südlicheren Region. So können sie die kalten Monate im Warmen verbringen. Vor allem Renter scheinen das zu praktizieren. Und so kamen wir Sonntagabend bei der Schwester der Verwandten (also auch eine Verwandte) in Phoenix an. Ein bisschen Quatschen und dann führten sie und ihr Mann uns in unser temporäres Domizil.

Echt witzig. Die Wohngegend fällt dadurch auf, dass die Vorgärten perfekt abgeschleckt angelegt aussehen. Alles extrem sauber und ordentlich. Die Hälfte der Häuser wirken momentan unbewohnt. Die Grünflächen werden von mexikanischen Gärtnern gepflegt. Menschen, die hier hin ziehen möchten, müssen 55 und älter sein. Der Countryclub und die Golfanlage ist gleich um die Ecke, zum Einkaufen fährt der ein oder andere mit Golfkart. Und wir mitten drin. Wir haben weder Fernseher noch Internet, dafür 2 Schlafzimmer, 2 Bäder, 2 Wohnzimmer und eine mittelgroße Küche. Unser erstes eigenes Haus 🙂

Und es ist schön. Klar, leben würden wir hier nicht wollen, aber jetzt passt es gerade. Wir haben viel erlebt. 6 Wochen sind wir jetzt durch die Gegend gereist, meistens nie länger als 3 Tage an einem Ort gewesen, manchmal 2 Nationalparks an einem Tag. So viele Eindrücke. Ehrlich gesagt, bin ich momentan ein bisschen voll. Ich mag nicht mehr. Hab noch nicht mal den Reiseführer aufgeschlagen um nachzusehen, was man sich in Phoenix so anschauen kann. Einfach nur mal rumhängen. Und da ist es ein unglaubliches Geschenk, dass wir sogar ein eigenes Haus haben dürfen. Hier sind wir nicht mal Gast. Wir können einfach so lang im Bett bleiben wie wir wollen, bis nachmittags im Schlafanzug rum rennen, essen wann und was wir wollen und vor allem, mal all die Eindrücke verarbeiten.

Ja, wahrscheinlich habe ich Moab etwas verzerrt beschrieben und eher so wie das perfekt durchstrukturierte„Disneyland“ dargestellt. Natürlich gibt es dort auch entlegenere Ecken, an denen man nicht überall Touristen trifft und einfach nur Natur genießen kann. Meine Wahrnehmung war wahrscheinlich insgesamt etwas von einer gewissen Überforderung geprägt. Wenn der Geist mit so viel Neuem angeregt wird, fällt es vielleicht manchmal etwas schwer, die Seele entsprechend auszubalancieren. Und dann ist man noch zu zweit und jeder versucht, den anderen glücklich zu machen und dabei selbst auch noch glücklich zu sein.

Ist schon alles gut. So wie alles gelaufen ist und wie es sich entwickelt hat. Nur, auf Blog Schreiben hab ich jetzt keinen Bock mehr :). Es nimmt schon auch echt viel Zeit in Anspruch. Ständig denke ich, wo könnte die nächste Möglichkeit sein, ins Internet zu kommen, ständig formuliere ich im Kopf neue Einträge. Julian nimmt das lockerer. Der sagt einfach, er hat momentan keine Kreativität, Blog zu schreiben… und lässt es.

Wir werden jetzt noch 4 Tage in Phoenix bleiben und dann fürs Wochenende nach Las Vegas fahren. Mit Hotel und so. Danach noch mal rauf in die Nähe von San Francisco, um dort Thanks giving mit der LA Familie zu feiern. Die letzte Woche unseres Urlaubs verbringen wir

Dann wieder In Los Angeles. Wir werden versuchen, das Auto zu verkaufen (HOFFENTLICH klappt das gut) und halt so noch ein paar Stadtsachen zu erleben. Ein paar Fotos stellen wir bestimmt noch online. Aber schriftlich verabschiede ich mich jetzt mal und freue mich aufs Abschalten 🙂

Sedona

Sedona ist cool. Da waren wir zwar nur 2 Tage, aber wir haben einiges erlebt. Zum Beispiel Schnee in der Wüste. Also, Sedona ist wieder so ne rote-Stein-Wüste, sehr schön von den Farben her anzusehen, vor allem, wenn sich die roten Felsen gegen den blauen Himmel abheben. Samstag waren wir kurz noch in einen Bikeshop und dann raus ins Gelände. Die Trails haben Spaß gemacht. Gut lief’s und gut waren wir beide drauf.

Ein bisschen touristisch ist es in Sedona auch, aber wir achteten auf etwas anderes: Wir kamen in den Genuss, irre Lichtspiele mitzuerleben. Im Verlaufe des Nachmittages zogen sich die Wolken immer mehr zusammen und bewirkten ein faszinierendes Abwechseln von Sonne und Schatten. In Flagstaff, ca 20 Meilen von Sedona entfernt und ca 400 Meter höher liegend, hatte uns schon am Vorabend ein satter Schneesturm überrascht. Jetzt konnten wir aus der Ferne beobachten, wie sich dunkle Wolken an den um uns liegenden Bergen abregneten/ -schneiten. Bis sie dann langsam aber sicher zu uns kamen. Ein eisiger Wind und immer unklarere Sicht und dann kam das Schneetreiben. Verrückt und vor allem wohl recht untypisch für die Gegend. Wir überlegten sogar, uns ein Spa zu suchen, um uns in einem warmen Blubberbad wieder aufzutauen. Allerdings war uns das dann zu teuer und die Heizung unseres Autos hat’s auch getan :).

Am nächsten Morgen waren wir dann noch in einem Gottesdienst. Es war eine Cowboy Church. Lustiger Name und auch lustige Gemeinde. Viele Leute dort hatten Cowboy Hüte auf, die Wände waren mit Zaun und Peitschen (und amerikanisch Flaggen) dekoriert. Die Band bestand aus 9 Menschen, die fröhlich Gottesdienstlieder im Countrymusik-Stil spielten. Die Stimmung war famos… bis grenzwertig. Sehr emotional wurde das Ganze. Falls jemand mit dem Begriff „charismatisch“ etwas anfangen kann… diese Gemeinde war sehr charismatisch. Sogar so, dass mich unsere Sitznachbarin zwischendrin mal fragte, ob ich so was kenne und nicht zu sehr schockiert bin. Die Botschaft der Predigt war recht politisch (so eine Woche nach der Wahl) … übrigens, ähnlich schon wie im Gottesdienst die Woche davor. Kein Zweifel, welche Partei wohl die meisten aus dieser Gemeinde gewählt haben. Zum Mittagessen wurden wir diesmal nicht eingeladen. Macht nichts. Sind dann noch mal Mountain biken und dann weiter nach Phoenix.

 

Mesa Verde/ Petrified Forrest

Mesa Verde ist ein Nationalpark, in dem man alte Steinruinen angucken kann. Normalerweise finde ich das, ähnlich wie mein Gatte, eher weniger interessant. Aber hier ging es um die Indianer und wie sie um 1100 und 1200 n. Chr. ihre Siedlungen in die Felswände gebaut hatten. Eine Kultur, die viele Fragen aufwirft, weil Geschichte bei den „Natives“ vor allem mündlich überliefert wurde und somit über die Jahrhunderte verändert oder vergessen wurde. Und doch konnte man sich, bereichert durch den Museumsbesuch und die Erklärungen unserer netten Tour Guide Rangerin, ein kleines bisschen das Alltagsleben in den Felsstädtchen vorstellen.

Auf der Weiterfahrt gabs viel zu sehen. Einige Tiere, weites Land, Regenbögen und von einem Sandsturm sind wir dann auch gleich in einen Schneesturm gekommen.

Im Petrified Forrest waren wir nur kurz. Der ist vor allem bekannt für seine petrified (versteinerten) Bäume. Das Besondere an diesen Bäumen ist deren Farbenpracht. Keine Ahnung, welche Salze oder Mineralien das verursacht haben. Aber es sieht richtig geil aus, besonders, wenn man die Steinbäume dann poliert. Kostet aber –mal wieder- richtig viel, so ne polierte Steinbaum-Farbscheibe. Also hab ich nur ein paar Fotos gemacht 🙂

Canyonlands National Park – Needles Area

Der Canyonlandsnationalpark besteht aus mehreren Teilen. Den “Island in the Sky”-Teil haben wir ja bereits beschrieben, bei der weiterfahrt lag dann noch der “Needles Area”-Teil auf dem Weg (teilweise muss man mehrere 100km fahren um von einem Teil in den anderen zu gelangen. Den haben wir allerdings nur sehr kurz angeschaut, da wir doch recht müde waren. Interessant war ein altes Cowboycamap unter einem Felsvorsprung (das bis in  die 70er Jahre benutzt wurde – und sicherlich auch heute noch benutzt werden würde – wäre die Viehzucht im Nationalpark nicht abgeschafft worden). Ein paar neue Fotos konnten wir zu den bisherigen hinzufügen:

 

Moab und mehr Autoprobleme

Eigentlich müsste dieser Eintrag „Arches National Park“ heißen. Ein Nationalpark nahe Moab mit beeindruckenden Felsbögen aus rotem Stein und Skulpturen, die die Natur über Jahrmillionen geformt hat und an denen man die verschiedenen Zeitalter anhand von Steinschichten erkennen kann.

Von alledem haben wir allerdings nicht viel gesehen. Nach ca 15 min verlassen wir die geteerte Straße und biegen auf einen Sandweg, noch mal ca 5km und wir kommen an einem verlassenen Fleckcken als Parkplatz an, von der aus man die Wander Route zu besonderen Felsformationen starten kann. Plötzlich höre ich ein lautes „Scheiße“ von meinem Mann und laufe schnell zu ihm. Ein Platten. Naja, gut… wenigstens nichts Schlimmeres. Allerdings hier einen Platten zu bekommen war gänzlich ungeschickt. Kein Mensch weit und breit. Die Fliegen surren, ein leichter Wind bewegt hin und wieder die vertrockneten Büsche. Scheiße, wie is das passiert und vor allem scheiße was machen wir jetzt. Kein Werkzeug, kein Ersatzreifen… doch… Julian findet einen unterm Auto… nur, keine Ahnung, wie man da ran kommt. Tapferes versuchen, das Auto mit Holzpfählen, Steinen und dem Plastikbenzinkanister irgendwie anzuheben. Recht erfolglos. Kopfschütteln… Was denn noch?? Blöde Karre, echt!!

Und hört man tatsächlich Motorengeräusche. Ein Pickup nährt sich. Die kommen tatäschlich hier her.  2 Junge Männer drin. Schnell nach Werkzeug gefragt. Zwar qualitativ nicht sehr hochwertig, aber immerhin ein mini Wagenheber und passende Schraubenzieher. Auch wissen sie, dass der Wagen eine Vorrichtung haben müsste, um das Ersatzrad runterzulassen. Gemeinsam finden die Jungs am Heck eine kleine Öffnung… nur an die kommt man nicht richtig ran, weil unser Vorbesitzer so eine Delle in die Stoßstange gefahren hat, dass das Loch durch die Verformung halb verdeckt ist. Also, erstmal an der Stoßstange rumhebeln…

Einer der beiden hat dann sogar Empfang auf seinem Handy und kann einen Ranger verständigen. Ende der Geschichte: die Jungs starteten ihre Wanderung zu den Felsformationen, der Ranger kam etwa 20 min später bei uns an. Julian konnte mit dem Werkzeug des Rangers und der Jungs den Reifen wechseln. Die Felsformationen haben wir nicht mehr angeschaut. Dafür aber noch den „Delicate Arch“ (sehr sehr cool und in Echt sogar noch schöner als auf dem Foto). Am nächsten Morgen sind wir zu einem Reifengeschäft. Julian bat sie, auch noch die Vorderreifen auszuwuchten. Da stellte sich heraus, dass ein Weiterer eine Blase gebildet und somit auch nicht mehr ganz verkehrstauglich war. Was bleibt uns anderes übrig. Auch den ersetzen lassen. Mal eben 300 Euro für Reifen los geworden. Waren aber super die Jungs in der Werkstatt. Ich war total begeistert von deren Effizienz beim Arbeiten. 5 Jungs da drin, die auch alle gleichzeitig was tun! Toll 🙂

Der Wagen fährt jetzt schon besser, aber Julian hat bei der Gelegenheit gesehen, dass die Bremsbeläge wohl als nächstes dran sind… Hoffentlich nicht mehr, solange wir das Auto noch haben…

Moab und Mountainbiking

Von Moab hat Julian schon immer geschwärmt. Also, so als Mountainbikeparadis. In der Stadt wimmelt es nur so von Fahrradfahrern, Fahrradgeschäften, Fahrradwerkstätten und –verleih-servicen, Fahrradfahrkneipen und Fahrradfahrausstattungsmöglichkeiten. Nebst den gleichen Angboten für den Jeeptourismus natürlich. Das alles natürlich, weil die Umgebung von Moab nicht nur wunderbar bergig, sonder auch wunderschön farbig und wundersam abwechslungsreich ist. Und in diese Umgebung wurden Straßen, Wege und Trails gebaut, damit sich der Sportbegeisterte vollends austoben kann.

Wir starteten mal in einem Teil, wo Trails neu angelegt worden waren und Julian daher bei seinen letzten Besuchen vor 5 und 10 Jahren noch nicht gefahren war. Die Wege sind alle auf der Karte eingezeichnet, alle in verschiedenen Schwierigkeitsstufen unterteilt, alle mit Schildern und Pfeilen vor Ort markiert und ausgewiesen. Man fährt auf einen Parkplatz, da stehen schon zahlreiche andere Autos, man schmeißt sich in sein Radleroutfit, ebenso wie die neben einem und man fährt los, gefolgt von Familien mit Groß und Klein (der Kleinste darf auf dem Tandem bei Papa hinten mitfahren. Hat aber genauso Sonnenbrille Helm, Kinderrucksack und Trinkblase, früh übt sich). Der Trail an sich war nett. Nicht schwer, anstrengend höchstens, weil er cross-country, also genauso viel Berg hoch wie runter ging. Man fährt also Steinstufen, Geröll und Sanddünen nicht nur runter, sondern auch rauf. Geht mächtig in den Hintern J Bei längeren Stücken auf Steinplatten, ist der Weg durch Linien mit weißer Farbe auf dem Stein markiert und Radfahrergrüppchen, an denen wir vorbeifahren, empfehlen uns laut die nächste beste Tour. Alle sind begeistert, alle happy. Ich freue mich, das ausnahmsweise mal viel UNS vor lassen und nicht wir von allen überholt werden. Hier ist eben ein Ort, wo der normale Amerikaner (oder Tourist) ein bisschen Sport treibend Spaß haben kann und mit der Familie oder Freunden mal den Alltagstrott mit etwas Natur verlieblicht. Julian und ich kriegen uns ein bisschen in die Haare bei der Diskussion, ob Moutnainbiken ein Sport für Privilegierte ist, weil die Kosten für die ganze Ausrüstung schon stattliche Summen erreichen kann. Knieschoner für 80 Dollar, Ellbogenschoner für 50, ne Radlerhose von 99 auf 55 runtergesetzt. Und da ist noch nicht mal ein Rad, geschweige denn qualitativ hochwertigere Komponenten für ein angenehmeres Fahrgefühl drin. Okay, jeder hat sein Hobby und investiert in seine Freizeitbeschäftigung. Und ja, man kann auch mit gebrauchter Ausrüstung und weniger Komfort Spaß haben. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass es auf mich abstrus wirkt, dieser Mountainbike Tourismus hier in Moab.

Das ändert sich ein bisschen bei unserer nächsten Tour: der Porcupine Rim Trail. Julians absoluter lieblingstrail. Er ist ihn schon zig-mal gefahren, immer wieder gerne und außerdem hat er damit das Mountainbiken angefangen. Wir veranschlagen einen ganzen Tag und stellen uns den Wecker auf halb 7. Es sind 33 km und Julian muss im Hellen noch zurück den Berg raufradeln, um später das Auto noch zu holen.

Ich setz Julian mit dem Auto etwas weiter oben ab, damit er noch einen Teil eines anderen Trails alleine Gas geben kann, fahre dann mit dem Auto weiter runter und steige selber auf mein Rad. Von mit aus 6.7 km bis zum vereinbarten Treffpunkt. Anfangs genieße ich es, mein Rhythmus, meine Geschwindigkeit. Julian meinte, ich müsste hin und wieder mal schieben. Ja… letztendlich habe ich wohl knapp 5 km geschoben. Es war ein Jeep trail, das heißt 200 Höhenmeter Bergauf über Schotter, Kies, Steinplatten und Felsstufen. öH

Ich verstehe nicht, wie so etwas Menschen Spaß machen kann. Julian ist natürlich als erster da und kommt mir ein Stück entgegen. Neue Motivationsschübe mit Haribo Colafläschchen und der Erleichterung, dass meinem Mann so was auch nicht wirklich Spaß macht. Er fährt das ganze ja vor allem auch mit Hardtail (hinten keine Federung) und nur einem Gang. Spinner!! 🙂

Bei 2000 m angekommen erstmal eine kurze Pause, die Aussicht ist phantastisch. Naj, ohnt sich doch irgendwie. Jetzt soll es mehr runter gehen. Aber spaßig ist es noch immer nicht. Wieder Steinfelder, Steinstufen, steile Stücke. Mich haut’s vorne übern Lenker. Der Kopf reagiert schneller als der Körper, nix passiert. Nur ein kleiner Schock. Warum tut man sich das an? Julian ist das als Anfänger gefahren, ich fahr immerhin schon 8 Monate, das sollte doch zu schaffen sein (kämpfe ich) und bleibe immer wieder vor potentiellen Gefahrenstellen stehen um doch zu schieben (verzweifle ich). Kein Spaß. Später stellen Julian und ich im Gespräch fest, dass für ihn Schieben mit zum Mountainbiken gehört und dass er beim ersten Mal auf dieserm Trail auch viel geschoben hat. Ich denke immer, ich muss schon alles können und bin zu stolz, mich noch zu der Kategorie der Anfänger zu zählen. Dadurch extrem frustriert, wenn ich doch so oft an und über meine Grenzen komme. Kein Wunder, dass das keinen Spaß macht.

So lerne ich auf diesem Weg also nicht nur das Mountainbiken, sondern auch viel über mich selber. Ich nehme gerne Herausforderungen an und Anstrengungen auf mich. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie so hart an meiner Grenze gekämpft, wie wenn ich mit Julian mountain biken gehe. Aber durch mein ständiges Vergleichen und Gedanken machen, wo ich mountainbike technisch bin und wo ich gerne wär, fällt es mir vor allem auf schwierigeren Trails extrem schwer, Spaß zu haben. Julian hat einfach mal 10 Jahre mehr Erfahrung und mehr Lockerheit: stell dich halt einfach der Herausforderung und was geht, das geht und was nicht geht, schiebt man halt. Naja… Solche Ansichten hatte ich bis jetzt noch nicht. Da war nur: fall nicht auf als Anfänger und prügel dich da runter. Blödsinn, oder? Heute bin ich mal ganz locker. Julian soll mal allein heut einen richtig technisch haarigen Trail machen. Ich schreib solange Blog und lese und wenn wir wieder zusammen mountainbiken gehen, schau ich einfach was geht und wenn nicht, schieb ich halt. Und vieles geht ja auch schon echt gut. Sogar einen Durchschlag hatte ich schon, als der Übermut zu groß wurde 🙂